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Gemeindebrief Juni/Juli 2026
Liebe Leserinnen und Leser!
Der Koffer steht halb gepackt im Flur. Die Liste ist lang: Sonnencreme, Buch, Ladekabel, gute Laune... Sommer ist Reisezeit. Und irgendwie steckt in jedem Aufbruch auch eine leise Sehnsucht: nach Weite, nach Freiheit, nach einem Ort, an dem die Seele durchatmen kann.
Doch Reisen ist mehr als Ortswechsel. Wer unter- wegs ist, begegnet Menschen und damit anderen Lebensweisen, Sprachen, Geschmäckern, Kulturen. Manchmal staunen wir, manchmal sind wir irritiert, manchmal berührt. Und ganz leise kann sich dabei etwas erweitern: der Blick auf die Welt und auf uns selbst.
Die Bibel erzählt viele Geschichten von solchen Begegnungen. Abraham bricht auf in ein fremdes Land. Das Volk Israel lernt in der Wüste und in neuen Ländern, was Vertrauen bedeutet. Und Jesus überschreitet immer wieder geografische und kulturelle Grenzen. Besonders eindrücklich ist mir seine Begegnung mit der kanaanäischen Frau (Matthäus 15,21–28): eine Frau aus einem anderen Volk, mit einem anderen Hintergrund und doch entsteht im Gespräch Vertrauen, ja sogar Glaube. Eine Begegnung, die Grenzen sprengt. Vielleicht liegt genau darin eine besondere Chance des Reisens: nicht nur Neues zu sehen, sondern Menschen wirklich zu begegnen. Nicht vorschnell zu urteilen, sondern zuzuhören. Nicht alles am eigenen Maßstab zu messen, sondern sich berühren zu lassen von dem, was anders ist. Die Bibel erinnert uns immer wieder daran, wie wichtig dieser Blick ist: „Vergesst die Gast- freundschaft nicht, denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2) Wer weiß, vielleicht liegt in der nächsten Begegnung mehr, als wir auf den ersten Blick erkennen.
Und noch etwas: Auch wir selbst sind auf Reisen „die Fremden“. Wir sind Gäste in anderen Ländern, Kulturen, Lebenswelten. Das kann uns dankbar werden lassen: Für Offenheit, für Freundlichkeit, für jedes Lächeln, das Sprachbarrieren überwindet und für die Orientierungshilfen – nicht nur die räumlichen. Vielleicht nehmen Sie in diesen Sommer nicht nur Ihren Koffer mit, sondern auch eine innere Haltung: Neugier statt Vorsicht, Respekt statt Bewertung, Offenheit statt Gewissheit.
Und wer zuhause bleibt, ist deshalb nicht weniger unterwegs, auch im Alltag können uns überraschende Begegnungen geschenkt werden, direkt vor der eigenen Haustür. Denn Gott ist nicht nur am Ziel zu finden, er begegnet uns im Unterwegssein, oft im Wesen eines anderen Menschen.
In diesem Sinne: Eine gute Reise und gesegnete Begegnungen.
Ihr Pfarrer
Rainer Zaumseil















